vom 09.11.2014 – 12.11.2014 – Berlin

Osteopathische Sterbebegleitung

 

“Stille ist die Sprache Gottes und alles andere ist lediglich eine schlechte Übersetzung”, mit diesen Worten begrüßte Tom Esser, M.SC. D.O.M.R.O die 14 Kursteilnehmer zum Osteopathischen Sterbebegleitkurs in den neuen Räumlichkeiten des OZK in Berlin Kreuzberg. Insgesamt zum dritten Male organisierte das OZK Team um Tom Esser einen außergewöhnlichen Kurs in der Reihe “Klinische Osteopathie”.

Zu diesem auf den ersten Blick ungewöhnlichen Thema reisten erfahrene Osteopathen aus ganz Deutschland und der Schweiz in die Bundeshauptstadt, um in diesem vier Tage dauerndem Seminar mehr über das Leben, das Sterben und den Tod zu erfahren, als die üblichen Dinge, die jeder für sich auf seine Art im Leben erfahren hatte.

Es stellte sich schnell heraus, dass dieses Seminar den einen oder anderen Therapeuten an deren emotionale Grenzen bringen würde. Die Themenauswahl war durch die Organisatoren sehr bunt gestreut, über verschiedene Referenten aus den Bereichen der schulmedizinischen Palliativmedizin und Homöopathischen Medizin sowie der Arbeit und Begleitung von Sterbenden in Kinderhospizen, die Vorstellung unterschiedlicher Klangschalen-Therapien bis hin zur Selbsterfahrung.

In Meditationstechniken wurden die Teilnehmer täglich bis zu 8 Stunden mit diesem sehr interessanten Thema konfrontiert. Tom Esser schulte die neusten Therapieansätze aus seinem Biodynamischen Konzept nach James S. Jealous. Bei diesen Behandlungsansätzen liegen die Schwerpunkte auf der ruhigen und sanften Begleitung der Sterbenden mit dem Ziel, diesen Menschen einen möglichst großen Raum (Space) zur Entfaltung und zum Übertreten auf die andere Seite zu kreieren.

Desweiteren referierte Esser über verschiedene osteopathische Ansätze zum Sterben die durch die Niederschriften großer Osteopathen wie John Upledger, Viola Fryman, James S. Jealous und nicht zuletzt durch den Gründer der osteopathischen Medizin, Dr. Andrew Tailor Still, festgehalten worden sind.

Zwischen den einzelnen Unterrichtseinheiten wurden immer wieder neue Formen verschiedener Meditationstechniken praktiziert.

Diese Einheiten begleitete die aus Köln angereiste “Klangschalentherapeutin” Tara Le Ann Eriksson mit Ihrem Programm “My body knows, also space from graceauf eine immer wieder faszinierende Weise.

Einer der Themenschwerpunkte in diesem Seminar war die Vorstellung der verschiedenen praktizierten Ansätze und Ansichten des Sterbens aus westlicher Sicht, aus der Sicht des tibetischen Buddhismus, dem Sterben aus Sicht des YOGAS und letztendlich die osteopathische Sichtweise.

 

Zum Thema “Der Umgang mit dem Sterben aus tibetisch-buddhistischer Sicht” stellte sich Frau Dr. Almuth Göppert den Teilnehmern vor. Frau Göppert ist Strahlentherapeutin und Palliativmedizinerin und Projektleiterin von SUKHAVATI, einem entstehenden buddhistischen Spititual Care Center in Bad Saarow Brandenburg.

Sie studierte 3 Jahre den Buddhismus, bevor sie mit RIGPA Deutschland in 2015 ein einzigartiges Projekt an den Start bringt:

Die Eröffnung Deutschlands erstem Zentrum für spirituelle Begleitung, inspiriert durch die buddhistischen Lehren und Visionen von SOGJAL Rinpoche, einem buddhistischen Gelehrten.

Seit 5 Jahren arbeitet Frau Dr. Jünger nun ehrenamtlich für die Caritas. Sie teilte mit uns ihre Erfahrungen, die sie durch die Sterbegleitung bei Kindern und Erwachsenen gesammelt hat.

Schon vorher war sie als stadtbekannte Homöopathin in Berlin tätig und hilft in ihrer Praxis vielen schwerkranken und auch sterbenden Menschen mit Homöopathie.

Ein weiteres Highlight war der Vortrag von Frau Marie Kohl vom Verein Kinderträume e.V. Sie berichtete über die Arbeit in verschiedenen Kinderhospizen sowie die Wünsche und Sorgen der Menschenkinder.

Aus ihrer langjährigen Erfahrung sprach Fr. Kohl darüber, wie eine negative Einstellung zum Tod die Situation für die Kinder noch deutlich verschlimmern würde und wie wichtig es ist, dass die Sterbenden “alles nochmal rauslassen müssen”.

In der Kinderhospizarbeit ist es wichtig, dass die dort Beschäftigten, trotz der emotionalen Belastungen, nie den Humor verlieren dürfen und mit viel Freude den Kindern in ihrer täglichen Arbeit begegnen. Auch Fr. Kohl vertritt die Meinung, dass Sterbende in ihrem Prozess einen großen Raum und Stille benötigen. Für ihre langjährige Arbeit erhielt Marie Kohl im Jahr 2005 das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland durch Herrn Bundespräsidenten Horst Köhler.

Nicht zu vergessen sind die Übermittlungen von Frau Elisabeth Kübler Ross, geb. am 08. April 1926 in Zürich, + 24.08.2004 in Arizona USA, der schweizerisch- US- amerikanischen Psychiaterin.

Sie befasste sich mit dem Tod und dem Umgang mit Sterbenden, mit Trauer und Trauerarbeit und gilt als Begründerin der Sterbeforschung. Weltweit gibt es 250.000 dokumentierte Nahtoderfahrungen, die auf vielfältige Weise durch Fr. Kübler Ross erforscht wurden. Tom Esser stellte den Kursteilnehmern ihre legendären “5 Phasen des Sterbens” vor.

Am Ende des vierten Tages verabschiedete Tom Esser die Kursteilnehmer mit folgendem Zitat:

“Wenn wir in den Sterbeprozess eintreten, ändert sich die primäre Atmung. Es ist ihre Absicht, den Übergang so einfach wie möglich zu machen. Das Bewusstsein vereinigt sich mit der Gesundheit. Die Richtung der Leichtigkeit ist bis zum Zeitpunkt des Todes für die osteopathischen Hände nicht sichtbar, es sei denn, sie spüren die Gesundheit”.

Im Namen aller Teilnehmer bedanken wir uns beim gesamten OZK Team für einen sehr emotionalen Kurs.
Markus Nöh